Man sucht Iron

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Schwarz-Weiß-Holzschnitt: Eine Rüstung aus menschlichen Gesichtsprofilen steht in einer Werkstatt. Links liegen zwei gesichtsförmige Panzerplatten auf einer Werkbank, rechts steht ein leerer Holzständer.

Am Satzanfang wird man großgeschrieben. So stand Man auch im Titel meines Apriltexts „Iron sucht Man“. Darin beschrieb ich Sprachmodelle als Rüstung, die auf einen Träger wartet. Offen blieb, wer einsteigt.

Eingestiegen ist inzwischen man. Die Rüstung kann heute jeder haben. Sie besteht selbst aus man: Ein Sprachmodell berechnet, wie ein Text am wahrscheinlichsten weitergeht. Wahrscheinlich ist, was man schreibt.

Was das bewirken kann, haben Anil Doshi und Oliver Hauser 2024 in einem Experiment gemessen. Sie ließen Menschen kurze Geschichten schreiben, einen Teil davon mit Ideen von GPT-4. Die Geschichten wurden mit diesen Ideen besser bewertet, wobei die weniger Kreativen am meisten profitierten. Mit bis zu fünf Ideen holten sie die Kreativsten ein, die selbst kaum etwas dazugewannen. Einzeln wirkten die Geschichten origineller. Untereinander ähnelten sie sich allerdings stärker als die ohne Maschine, weil sie sich an deren Vorschläge angelehnt hatten. Die Autoren sehen darin ein soziales Dilemma.

„Milliarden Gedanken, kein Denker“, schrieb ich im April über die Rüstung. Die Frage, wer da denkt und urteilt, stellt sich auch bei uns Menschen. Martin Heidegger fragte 1927 in „Sein und Zeit“, wer wir im Alltag eigentlich sind. Seine Antwort ist das Man, niemand Bestimmtes und doch alle. Heideggers Engagement für den Nationalsozialismus und seinen Antisemitismus verurteile ich. Seine Beschreibung des Man hilft mir dennoch zu verstehen, wie wir Urteile übernehmen, ohne selbst zu urteilen.

Selbst die Abgrenzung gehört dazu. „Wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen‘ zurück, wie man sich zurückzieht.“ Von diesem Man hat die Maschine schreiben gelernt. Die Geschichten im Experiment haben sich abgehoben, wie man sich abhebt.

In meinem Apriltext ließ ich die Rüstung noch auf ein fertiges Selbst warten. Heidegger lässt jeden im Man anfangen. „Zunächst ist das Dasein Man und zumeist bleibt es so.“

Das Man nimmt einem die Wahl ab und damit die Last, für etwas einzustehen. „Es bleibt unbestimmt, wer ‚eigentlich‘ wählt.“ Mit der Rüstung wird es noch unbestimmter. Der Vorschlag kam schließlich von ihr. Ein eigenes Selbst beginnt für Heidegger erst dort, wo jemand diese Wahl nachholt.

Wer steht bei Euch für das ein, was aus der Rüstung kommt?

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